Der Fahnenstreit von Wissersheim

Im Jahr 1929 wurde aus der Sebastianus Schützengesellschaft eine Schützenbruderschaft. Hierzu brauchte es den Segen des Pfarrers Görtz. Das Einvernehmen wurde erteilt unter der Bedingung, dass in allen kirchlichen Angelegenheiten des Vereins künftig nur noch der Pfarrer das Wort hätte. Gesagt getan.

Pfarrer Görtz, der mit viel Tatendrang das Ortsleben gestaltete, er initiierte einen Sportverein „DJK Wissersheim“ und ließ das Jugendheim bauen, startete eine Bruderschaftschronik, die fortan die Ereignisse der Bruderschaft festhalten sollte.

Die 1929 gestartete Chronik endet jedoch bereits im Jahr 1931.
Was war geschehen? Einfache Antwort: Die Schützen haben eine Fahne gekauft, ohne den Pfarrer zu fragen. Ein Bürger kommentierte die Handlungen eines Pfarrers mal als borniert. So kann man es auch nennen, jedoch muss man akzeptieren, dass die Gesellschaft damals eine andere war und die Ansichten und Werte viel dominanter waren.

Auch wenn er nicht gefragt wurde, weihte Görtz die Fahne, vermerkte aber noch in der Chronik folgende Notiz, die wohl mit starken Gefühlen verfasst wurde:
„Die Fahne wurde bestellt bei Richter-Cöln. Der Präses ist nicht (!) gefragt worden bis nach der Bestellung. Die Weihe der Fahne fand statt nachmittags. Auch der Bruder-Verein Rath war da.
Von unsern Schützen fehlte u.a. besonders wieder die Jugend fast ganz. Festpredigt das Christuszeichen; Treuegelöbnis – Glaubensbekenntnis. Festzug und Schießen. Abends Familienabend; leider wieder Tanz; daher nahm der Präses [(Pfarrer)] nicht teil. Die übrige BEvölkerung nahm von der Feier kaum Notiz.“

Die Fahne, an der der Streit entbrannte, ist immer noch im Eigentum der Wissersheimer Schützen, wird jedoch nur noch zum Schützenfest durch den Ort getragen. Die Fahne ist immerhin fast 90 Jahre alt und durch das Material nicht gerade leicht.

Bleibt gesund!

Herzliche Grüße
Carsten Vieth