Euthanasie und Zwangssterilisation

Im Zuge des Nationalsozialismus und der Rassenideologie kam es zum Erlass von Gesetzen. Diese Gesetze sollten die NS-Rassenhygiene, damals Erbpflege genannt, durchführen.

Es begann mit dem Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses vom 14.07.1933. Erbkrank im Sinne des Gesetzes waren (Originallaut): Menschen mit angeborenem Schwachsinn, Schizophrenie, zirkulärem (manisch-depressivem) Irresein, erblicher Fallsucht, erblichem Veitstanz (Chorea Huntington), erbliche Blindheit, erbliche Taubheit und schwere erbliche körperliche Mißbildung. Durch die sogenannten Erbgesundheitsgerichte wurden auf Antrag Zwangssterilisationen durchgeführt.

Diese Beschlüsse konnten auf Antrag des Betroffenen, oder auch die beamteten behandelnden Ärzte der Kranken-, Heil- und Pflegeanstalten oder des Anstaltsleiters einer Strafanstalt erwirkt werden.

Mir liegt ein solcher Beschluss vom 20.01.1937 vor. Hubert G. aus Wissersheim vor. Im November 1936 erkrankte dieser plötzlich an Kopfschmerzen und Sinnestäuschungen und machte wohl wirre Äußerungen. Es wurde Schizophrenie diagnostiziert und weil der Großonkel an der Fallsucht (Epilepsie) wurde eine erbliche Belastung festgestellt. Er wurde sterilisiert und überlebte den Nationalsozialismus.

Die Rassenhygiene des Nationalsozialismus beschränkte sich allerdings nicht nur auf Sterilisationen. Die Vernichtung lebensunwerten Lebens sorgte auch für die NS-Krankenmorde, Kinder-Euthanasie, die Aktion T4 und eben den Holocaust bzw. Porjamos, die systematische Ermordung der Sinti und Roma.

Hermann Schnitzler berichtet von einem Fall aus dem 1940. Paul W. aus Wissersheim wurde vermutlich Opfer der Aktion T4. Im Zuge der Aktion wurden im Jahr 1940 von einer Zentralstelle Behinderte Menschen erfasst und anschließend zu Anstalten verbracht, wo sie dann mit Kohlenstoffmonoxid vergast wurden. Der Fall von Paul W. ist nicht weiter erforscht. Hermann Schnitzler schreibt, dass der 20-jährige Paul W., der an Epilepsie litt, abgeholt wurde und kurz danach die Todesnachricht folgte.

Weiter schreibt Schnitzler, dass für das Dorf mit dem Fall von Paul W. nur ein solcher Fall zu beklagen war. Im Nachbardorf Rath sollen es drei Fälle gewesen sein.

Die Aktion T4 wurde 1941 teilweise eingestellt. Es kam zu Protest der katholischen Kirche und den Eltern der Betroffenen. Die Nationalsozialisten fürchteten zersetzende Tendenzen. Die Kindereuthanasie wurde allerdings fortgeführt. In der Zeit zwischen 1933 bis 1945 wurden ungefähr 216.000 Menschen Opfer der NS-Krankenmorde.

Das Bild zeigt das Denkmal der grauen Busse. Durch diese wurden die Kranken zu den Tötungsanstalten verbracht. Die juristische Aufarbeitung erfolgte indes nur schleppend bis gar nicht. In der Besatzungszeit zwischen 1945 und 1949 wurden Täter noch hart abgeurteilt und teilweise mit dem Tode bestraft. In der Bundesrepublik erfolgten dann sehr milde Urteile bis Freisprüche. Ein Wandel setzte erst in den 1970er Jahren ein.